Tempo 110, 120, immer schneller, 140 km/h! Silja Korn (45) drückt kräftig aufs Gas. Wie jeder Bleifuß genießt sie den Kick der Geschwindigkeit. Silja lenkt, schaltet und stoppt den Toyota Avensis (126 PS) so, als wäre sie keine Anfängerin, sondern hätte reichlich Erfahrung. Stimmt aber nicht. Die Frau am Steuer ist blind!Völlig blind? Silja sagt: „Seit meinem 12. Lebensjahr. Damals hatte ich in Neukölln einen schweren Verkehrsunfall.“ So hilft ihr die gemeinsame Aktion des Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenvereins Berlin (ABSV) mit den Fahrlehrerverbänden auch psychisch: „Ich hatte Angst, in ein Auto zu steigen.“ 200 Blinde aus ganz Deutschland machten sich gestern auf den Weg zum „Driving Center“ nach Groß Dölln (Uckermark). Das liegt auf dem
Flugplatz, jeder darf dort üben. Fahrschulen stellten rund 60 ihrer Wagen zur Verfügung. Auf eigene Kosten.Während Silja aus Charlottenburg fährt, sitzt Marcel Gödel (37) aus Treptow neben ihr. Er gibt Tipps, hat seinen Fuß auf der Bremse. Sagt, was seine Schülerin tun soll. Ihn erstaunt: „Sie hat ein Super-Gefühl. Das Auto ruckelt nicht und der Motor würgt nicht ab.“ Beide können viel voneinander lernen.
Silja, die trotz ihrer Behinderung als Kita-Erzieherin arbeitet und nie ohne Blindenstock aus dem Haus geht: „Es ist wichtig, dass Fahrlehrer ihr Wissen über uns weiter geben.“ Etwa, dass auf Gehwegen geparkte Autos und Motorräder große Hindernisse sind. Oder der Grüne Pfeil, der es erlaubt, trotz roter Ampel abzubiegen. Silja: „Wir orientieren uns am Gehör, können diese Gefahr nur schwer erkennen.“ABSV-Vize Dr. Detlef Friedebold (64) hatte die Idee zur Kooperation, die es seit 20 Jahren gibt. Eines liegt ihm am Herzen: „Leise Elektroautos sollten ein Signal haben, damit wir sie wahrnehmen können.“
Von Claudia Keikus
Berlin - Jetzt gehen die Hass-Chaoten auch noch auf Busse los. Diese nächtliche Attacke verlief jedoch etwas anders. Statt zum üblichen Grillanzünder griffen die Chaoten diesmal zu Feuerlöschern, zerstörten damit einen Bus- Wagenpark. Sie ließen ihrem Hass freien Lauf. Jetzt gleicht der Wagenpark einem Trümmerfeld: Splitter der ausgeschlagenen Scheiben bedecken den Boden, weißer Löschschaum verklebt die Sitze. "Etwa 60 000 Euro wird uns die Reparatur der Fahrzeuge kosten", sagt Unternehmer Dr. Richard Herrmann. In tiefer Nacht, so zwischen 3 und 5 Uhr, hatten sich die Täter auf seinem Betriebshof am Groß-Berliner Damm ans Werk gemacht. Insgesamt wurden von ihnen 23 Reisebusse, drei Autos und ein Laster völlig verwüstet. Das Bus-Unternehmen "Dr.-Richard-Herrmann" stellt regelmäßig Wagen zur Gelöbnis-Feier der Bundeswehr zu Verfügung. Möglicherweise ist das der Grund der hässlichen Attacke. In der Vergangenheit war in linken Internetforen gegen den Betrieb gehetzt worden. Doch bei ihrer nächtlichen Attacke haben die Vandalen anscheinend gepatzt: Denn die Gelöbnis-Busse wurden nicht zerstört. Viele der verwüsteten Fahrzeuge sollten demnächst nach Litauen verkauft werden, die anderen sind noch als Schulbusse in Berlin unterwegs. Der polizeiliche Staatsschutz ermittelt.